2005 Bundeskulturstiftung + Poplinke

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■ Staats-Pop

Denn so profiliert Diederichsen als Spex-Herausgeber war und als Autor für alle möglichen Zeitungen von Jungle World bis Süddeutsche heute immer noch ist – seine Behauptungen und ästhetischen Richtungsangaben konnten ihre Kraft auch deshalb entfalten, weil er niemals müde wird, sie als Lobbyist hinter den Kulissen durchzusetzen. Er mag nicht der einzige gewesen sein, der

in der Jury saß, die die Bundeskulturstiftung bei der Vergabe ihrer Gelder beriet,

doch es gab Partys linker Kulturschaffender in den letzten Jahren, wo die Zahl derjenigen, die ihre Miete direkt oder indirekt von der Bundeskulturstiftung bezahlt bekamen, locker die Zahl überwog, die sich anderswo ausbeuten.

Umso abstruser natürlich Poschardts Vorwurf, Diederichsen hätte die Verbindung zur Realität verloren. Dies ist Realpolitik. Sie glaubt bloß nicht, dass Deutschland und die Volksbühne sich ausschließen müssten.

Taz, 15.11. 2005, Tobias Rapp (jetzt Spiegel)

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